Gin: Alle Infos zum Trendgetränk

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Herstellung Gin Sorten Dry Botanicals
Von Dry Gin bis Old Tom: Gin gilt als regelrechtes Trend-Getränk. (Bild: pixabay)

Die Spirituose Gin erlebt in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom. Vom Getränkemarkt bis zum Onlinehandel oder Supermarkt: Während vor einigen Jahren kaum Gin-Variationen im Handel erhältlich waren, führen die meisten Getränkehändler mittlerweile ein gigantisches Angebot verschiedener Hersteller. Alles, was Sie über das Trendgetränk Gin wissen sollten, haben wir in diesem Text für Sie zusammengestellt.

Grundsätzliche Infos zum Thema Gin

Grundlagenalkohol, Sorten und allgemeine Infos

Gin ist eine Spirituose mit Wacholdergeschmack, die als Grundlage einen hochprozentigen Neutralalkohol hat. Wenn Sie Gin selber zu Hause herstellen wollen, können beispielsweise Wodka oder Korn als Grundlagenalkohol verwendet werden. Der charakteristische Geschmack entsteht durch den Einsatz von Wacholderbeeren. Bei der Herstellung gibt es allerdings einige Unterschiede.

Grundsätzlich unterscheidet man laut EU-Verordnung Gin und Destillierten Gin voneinander. Gin-Sorten, die sich im Handel finden, lassen sich im Normalfall einer dieser beiden Kategorien zuordnen oder sind keine offiziellen Sorten. Für beide Gin-Sorten gilt ein Mindestalkoholgehalt von 37,5 % vol. Einige Gin-Bezeichnungen sind außerdem an die geografischen Herstellungsgebiete gebunden.

Gin ist die Grundlage für viele beliebte Cocktails wie Martini, Gin Tonic oder Salty Dog.

Die unterschiedlichen Herstellungsarten

Werden in den Neutralalkohol Wacholderbeeren und andere pflanzliche Zutaten (sogenannte Botanicals) eingelegt, ohne dass der Gin zusätzlich destilliert wird, dann ist die Rede von einem sogenannten Compound Gin. Dieser ist nicht besonders hochwertig und daher meist sehr günstig erhältlich, kann aber auch sehr einfach zu Hause hergestellt werden. Die Zutaten können vor dem Einlegen zerkleinert oder in einem Stück belassen werden. Das Verfahren wird als Mazeration bezeichnet.

Bei Destilled Gin schließt sich an diese Mazeration – wie der Name schon sagt – eine Destillation an. Dadurch wird die Farbe der Spirituose klarer, die bei Compound Gin durch das Auslassen des Destillationsverfahrens häufig gelblich oder bräunlich ist.

Alternativ dazu kann Gin auch durch Perkolation hergestellt werden. Bei diesem Verfahren werden die Botanicals in ein Sieb gegeben, durch das der Alkohol durchgeleitet wird, wodurch die Aromastoffe sozusagen herausgewaschen werden. Dieser Sieb kann auch erst bei der Destillation eingesetzt werden, wobei der Alkoholdampf die Aromastoffe aufnimmt.

Verschiedene Geschmacksrichtungen dank Botanicals

In Zusammenhang mit Gin taucht früher oder später immer der Begriff Botanicals auf. Botanicals, also pflanzliche Exktrakte, sind neben dem vorgeschriebenen Wacholder die Geschmacksgeber der Spirituose und der Grund für die zahlreichen erhältlichen Varianten im Handel. Bei der Gin-Herstellung werden beispielsweise Gewürze, Kräuter, Wurzeln oder Früchte verwendet.

Mögliche Botanicals, die verwendet werden können, sind beispielsweise Koriander, Limette, Mandeln, Lakritze, Liebstöckel, Anis, Kümmel oder Sandelholz. Doch die Liste lässt sich endlos weiterführen. Verwendet werden kann grundsätzlich jede Zutat, die dem eigenen Geschmack entspricht. Gin-Hersteller tüfteln oft wochen- oder monatelang an einer passenden Rezeptur.

Das sind die bekanntesten Gin-Sorten

London Gin

London Gin wird der Kategorie Destillierter Gin zugerechnet und ist eine offizielle Gin-Sorte, die in der EU-Verordnung definiert wird. Hierbei sollte darauf hingewiesen werden, dass London Gin nicht an ein geografisches Herstellungsgebiet gebunden ist, sondern die Herstellungsart bezeichnet. Es dürfen beispielsweise nicht mehr als 0,1 Gramm Zucker durch süßende Erzeugnisse je Liter Gin enthalten sein. Farbstoffe und andere Zutaten außer Wasser dürfen ebenfalls nicht zugesetzt werden. Der Gin muss zwei Mal destilliert werden.

London Gin wird im Normalfall als London Dry Gin verkauft und darf laut EU-Verordnung auch so bezeichnet werden.

Dry Gin

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei Dry Gin um einen trockenen Gin. Wie beim London Dry Gin wird bei dieser Sorte nicht viel Zucker zugesetzt, da er ansonsten nicht als trocken gelten würde. Außerdem muss diese Sorte mindestens zwei Mal destilliert werden, um als Dry Gin bezeichnet werden zu können. Die Regeln, um als London Dry Gin zu gelten, sind allerdings strenger als bei der Bezeichnung Dry Gin. So müssen beim London Dry Gin beispielsweise alle Botanicals auf einmal eingesetzt werden, während das beim Dry Gin nicht notwendig ist.

Old Tom Gin

Der sogenannte Old Tom Gin ist sozusagen der Gegenentwurf zum Dry Gin. Während beim London Dry Gin und beim Dry Gin nach der Destillation kein oder nur sehr wenig Zucker zugesetzt werden darf, ist für den Old Tom Gin dieser Zuckerzusatz entscheidend. Diese Gin-Sorte wird nach der Destillation also nachträglich gesüßt – allerdings nicht zu sehr. Der Old Tom Gin ist trotz der Süßung keinesfalls eine süße Spirituose.

Cream Gin

Der sogenannte Cream Gin ist eine alte Gin-Sorte, die lange Zeit fast vergessen war. Durch den Gin-Boom der vergangenen Jahre wurde diese Variante allerdings gewissermaßen wiederentdeckt. Da Gin früher extrem scharf schmeckte, wurde als mildernde Zutat Sahne hinzugegeben, um das Getränk bekömmlicher zu machen.

Bei den heutzutage hergestellten Cream Gins handelt es sich allerdings um eine etwas andere Variante zum ursprünglichen Cream Gin: Statt die Sahne nach dem Destillationsprozess hinzuzufügen, wird die Zutat dem Alkohol schon vor der Destillation zugesetzt. Dadurch geht der mildernde Aspekt dieser Variante allerdings verloren, weshalb sie sich grundsätzlich von der ursprünglichen Variante unterscheidet.

New Western Dry Gin

Der New Western Dry Gin existiert erst seit wenigen Jahren. Diese neue, sozusagen inoffizielle Gin-Kategorie, entspricht einerseits zwar den in der EU-Verordnung vorgegebenen Herstellungsstandards, andererseits aber auch wieder nicht.

Wacholder ist beim New Western Dry Gin nicht mehr die dominante Geschmacksrichtung, stattdessen werden andere Botanicals in den Vordergrund gestellt oder zumindest dem Wacholdergeschmack gleichgestellt. Bei der Herstellung ist Wacholder zwar nach wie vor am wichtigsten, da die Spirituose ansonsten nicht als Gin gelten würde, doch beim Geschmack sieht das anders aus. Je nach Auslegung der EU-Verordnung handelt es sich beim New Western Dry Gin also um Gin – oder auch wieder nicht.

Sloe Gin als Sonderfall

Wenn Sie im Handel auf sogenannten Sloe Gin stoßen, dann sollten Sie beachten, dass es sich dabei nicht um einen echten Gin handelt. Sloe Gin ist ein Sonderfall, denn es ist einfach die englische Bezeichnung für Schlehenlikör. Hier erhalten Sie beim Kauf also keine Spirituose, sondern einen Likör.

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