Nahrungsergänzungsmittel: Sinnvoll oder übertrieben?

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Jeder dritte Deutsche nimmt regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel zu sich - obwohl deren Wirkung nicht unumstritten ist. (Bild: Pixabay)

Der Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln ist ein Milliardenmarkt. Kein Wunder also, dass uns die Werbung glauben machen will, die Einnahme dieser Mittel sei unverzichtbar für ein gesundes und vitales Leben. Zahlreiche Menschen schlucken daher täglich Pillen, Pulver und Co, um sich ausreichend mit Mineralstoffen und Vitaminen zu versorgen. Dabei ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ganz und gar nicht unumstritten. Wir haben in diesem Artikel wichtige Informationen für Sie zusammengefasst und verraten Ihnen, ob die Einnahme von derartigen Präparaten wirklich so sinnvoll ist, wie uns die Werbung glauben macht.

Die Rolle der Ernährung

Die gute Nachricht vorab: Wenn Sie sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren, stehen die Chancen gut, dass Sie über alle Vitamine, Mineralstoffe und Nährstoffe verfügen, die Sie benötigen. In wenigen Fällen kann ein Nährstoffmangel auftreten, der sich allerdings meist durch eine Umstellung der eigenen Gewohnheiten lösen lässt – ganz ohne Nahrungsergänzungsmittel. Fest steht außerdem: Wer sich schlecht ernährt, kann das mit Nahrungsergänzungsmitteln nicht ausgleichen. Eine gesunde Ernährung ist und bleibt das A und O für ein gesundes Leben.

Tatsache ist also: Die meisten Pillen und Pulver sind wirkungslos für Menschen mit einer normalen, gesunden und abwechslungsreichen Ernährung, die zu keiner Risikogruppe zählen. Sofern kein Mangel an gewissen Nährstoffen vorliegt, bringen Nahrungsergänzungsmittel in den meisten Fällen rein gar nichts, sondern stellen in gewissen Fällen sogar ein Risiko dar: Durch Wechselwirkungen mit Medikamenten, eine zu hohe Dosierung oder andere Einnahmefehler kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen.

Keine Zulassungsvoraussetzungen, keine Studien

Was darüber hinaus vielen Konsumenten nicht bewusst ist: Nahrungsergänzungsmittel werden nicht von offizieller Stelle auf Ihre Sicherheit und Wirksamkeit hin überprüft. Während Arzneimittel zugelassen werden müssen, ist das bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht der Fall. Die Hersteller können also behaupten, was sie wollen – durch Studien und Co nachweisen müssen sie es nicht.

Ein weiteres Risiko stellen Nahrungsergänzungsmittel aus dem Ausland dar, die man sich online ganz einfach bestellen kann – häufig ist dem Konsumenten gar nicht klar, dass eine Lieferung aus dem Ausland erfolgt. Zum einen kann es dadurch zu Problemen beim Zoll kommen, da viele Nahrungsergänzungsmittel Inhaltsstoffe enthalten, die in Deutschland als Arzneimittel eingestuft werden. Zum anderen können diese Mittel gefährliche Stoffe enthalten, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln online sollten Sie daher ganz besonders große Vorsicht walten lassen.

Bei erhöhtem Bedarf sinnvoll

Wie aufgezeigt, sind Nahrungsergänzungsmittel in den meisten Fällen tatsächlich unsinnig und stellen im schlechtesten Fall sogar ein Gesundheitsrisiko dar. Dies gilt allerdings nicht immer: Für bestimmte Risikogruppen, im Alter und bei einigen chronischen Krankheiten ist eine Einnahme von zusätzlichen Mineralstoffen und Vitaminen keineswegs unsinnig, sondern durchaus sehr sinnvoll und wird sogar von Ärzten empfohlen./p>

Eine dieser Risikogruppen: Schwangere. Unstrittig ist, dass eine zusätzliche Einnahme von Folsäure in der Schwangerschaft wichtig ist, um die Gesundheit des Kindes zu gewährleisten. Durch die Ernährung kann der Vitamin B9 Bedarf einer schwangeren Frau meist nicht gedeckt werden, weshalb die zusätzliche Einnahme von Folsäure durchaus empfohlen wird.

Ebenfalls sinnvoll: Die Einnahme von Vitamin D – vor allem im Winter. Da Vitamin D hauptsächlich durch Sonneneinstrahlung auf der Haut produziert wird und kaum über die Nahrung aufgenommen wird, leiden hierzulande die meisten Menschen regelmäßig unter einem erheblichen Vitamin D Mangel – vor allem in den Wintermonaten. Aus diesem Grund ist eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D durchaus sinnvoll.

Selbiges gilt übrigens für Jod: Auch hier kann der Bedarf häufig nicht durch die Ernährung gedeckt werden. Gerade Schwangere, Stillende oder Personen mit bestimmten Ernährungsgewohnheiten wie Vegetarier oder Veganer können häufig nicht genug Jod zu sich nehmen, um ihren Bedarf zu decken. In diesem Fall kann auch hier eine Supplementierung sinnvoll sein.

Absprache mit Arzt empfohlen

Doch auch wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte nicht auf eigene Faust Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, denn auch diese bergen gewisse gesundheitliche Risiken. So kann eine übermäßige Einnahme von Jod beispielsweise eine Überfunktion der Schilddrüse begünstigen. Es ist daher empfehlenswert, die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit seinem Arzt abzusprechen. Dieser kann überprüfen, ob tatsächlich ein Mangel an gewissen Mineralstoffen und Vitaminen vorliegt und weiß darüber hinaus, ob Wechselwirkungen mit gewissen Medikamenten zu befürchten sind.

Fazit: Nahrungsergänzungsmittel meist überflüssig

Fest steht: Nahrungsergänzungsmittel sind in den meisten Fällen nicht notwendig und verursachen nur unnötige Kosten für die Konsumenten, die sich auf deren erprobte Wirksamkeit verlassen. Da die Hersteller die Wirksamkeit der Mittel aber nicht durch Studien nachweisen müssen, handelt es sich bei vielen Werbeversprechungen häufig um maßlose Übertreibungen. Der gesundheitliche Vorteil liegt häufig bei null.

Sollten Sie den Verdacht haben, dass ein Mangel bei Ihnen vorliegt, dann suchen Sie einen Arzt auf. Dieser wird Ihnen gegebenenfalls zu einer Ernährungsumstellung raten oder Ihnen mitteilen, welche Nahrungsergänzungsmittel für Sie sinnvoll sind. Alles, was darüber hinausgeht, können Sie sich getrost sparen.

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