Superfood Camu-Camu

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Camu-Camu enthält bis zu 60mal mehr Vitamin C wie eine Orange. (Bild: Adobe Stock)

Der neue Star am Superfood-Himmel: Camu-Camu gilt aufgrund seines hohen Vitamin-C-Gehalts als besonders gesund und findet zunehmend seinen Weg in die Häuser von gesundheitsbewussten Menschen. Warum die südamerikanische Frucht so hoch gelobt wird und was wirklich hinter den Versprechungen steckt, verraten wir Ihnen in diesem Beitrag.


Wissenswertes zum Thema Camu-Camu

Was ist Camu-Camu?

Camu-Camu oder Myrciaria dubia ist ein Strauch, der in der Amazonasregion heimisch ist – das heißt, er wächst vorwiegend in Venezuela, Kolumbien, Peru, Ecuador, Bolivien und im Norden Brasiliens. Die Pflanze, die auch als Caçari oder Araçá de água bezeichnet wird, trägt grünlich-rötliche Früchte, die seit einiger Zeit als neuer Hype am Superfood-Horizont behandelt werden.

Die Früchte des Camu-Camu-Strauchs sind rund, glatt und fleischig. Das Fruchtfleisch der etwa zwei bis fünf Zentimeter großen Frucht ist weich, hell und schmeckt äußerst säuerlich. Zudem enthalten die Beeren bis zu vier Samen. Optisch erinnern die Früchte an die Acerola-Kirsche, die ebenfalls als Superfood gilt. Camu-Camu-Beeren sind allerdings größer und sehr viel säuerlicher.

Die Beeren können theoretisch roh verzehrt werden, allerdings ist dies hierzulande so gut wie ausgeschlossen, da Camu-Camu fast ausschließlich in verarbeiteter Form im Handel zu finden ist. Camu-Camu wird hierzulande hauptsächlich als Kapsel, Tablette oder Pulver konsumiert, in der Amazonasregion wird die Frucht allerdings unter anderem auch zu Likör, Saft, Gelee oder zu Süßigkeiten verarbeitet.

Superfood: Ist die Frucht gesund?

Camu-Camu gilt vor allem aufgrund seines enorm hohen Vitamin-C-Gehalts als Superfood. Dieser ist erheblich höher als bei ohnehin schon sehr Vitamin-C-haltigen Gemüse- beziehungsweise Obstsorten wie Paprika, Johannisbeeren, Kiwis oder Orangen. Mit etwa 1,5 bis 3 Gramm Vitamin C pro 100 Gramm Beeren übertrifft die Frucht den Vitamin-C-Gehalt von Paprika um das 5- bis 10-fache – und den von Orangen sogar um das 30- bis 60-fache.

Neben einem enorm hohen Vitamin-C-Gehalt enthält Camu-Camu außerdem eine große Menge an Mineralstoffen wie Eisen, Calcium, Kalium und Proteine sowie viele Vitamine wie Vitamin B1, B2, B3 und Beta-Carotin. Wie die meisten Superfrüchte enthält die Beere außerdem Antioxidantien und andere Bioflavonoide.

Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe werden Camu-Camu positive Auswirkungen auf den Alterungsprozess sowie antioxidative, belebende, antikanzerogene und entzündungshemmende Wirkungen nachgesagt. Aufgrund des hohen Vitamin-C-Gehalts soll die Beere außerdem das Abwehrsystem stärken und das Bindegewebe festigen. Zudem soll die Frucht beim Abnehmen helfen.

Wie immer gilt bei Superfood auch in diesem Fall: Diese angeblichen Wunderwirkungen sind nur mit Vorsicht zu genießen. Camu-Camu ist noch wenig untersucht und bislang sind nur wenige Studien zu der südamerikanischen Beere veröffentlicht worden. Die nachgesagten Wirkungen können daher bislang nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse gefestigt werden.

Nebenwirkungen der Superfrucht

Bislang sind keine wirklichen Nebenwirkungen von Camu-Camu bekannt. Aufgrund des hohen Vitamin-C-Gehalts kann die Empfohlene Zufuhr allerdings schnell überschritten werden, was zu Magen-Darm-Problemen führen kann. Mehr als fünf Gramm Vitamin C pro Tag sollten daher möglichst nicht konsumiert werden – achten Sie daher auf die Packungsbeilagen und Inhaltsstoffe der Camu-Camu-Produkte.

Bei Unsicherheiten bezüglich Wechselwirkungen, Verträglichkeiten und Co. sollten Sie vor dem Konsum am besten Rücksprache mit ihrem Arzt halten.


Problematiken des Camu-Camu-Konsums

Nachhaltigkeit durch Import nicht gegeben

Wie die meisten als Superfood deklarierten Lebensmittel muss auch Camu-Camu erst importiert werden, bevor es hierzulande in den Handel gelangt. Da die Beeren im Amazonasgebiet heimisch sind, gibt es keine hierzulande angebauten Camu-Camu-Sträuche, deren Früchte zu Kapseln, Pulvern und Co verarbeitet werden können. Nachhaltigkeit ist beim Camu-Camu-Konsum damit definitiv nicht gegeben, weshalb umweltbewusste Menschen besser auf einen Kauf der Produkte verzichten sollten.

Vitamin C und alle anderen Inhaltsstoffe können außerdem relativ einfach mit heimischen Produkten abgedeckt werden. So liefern Paprika und schwarze Johannisbeeren beispielsweise ausreichend Vitamine, um den eigenen Bedarf abzudecken. Und auch alle anderen Inhaltsstoffe lassen sich ganz einfach mit anderen heimischen Lebensmitteln abdecken, weshalb ein Import von Camu-Camu aus gesundheitlichen Gründen nicht notwendig ist.

Raubbau in Südamerika

Eine weitere Problematik beim Camu-Camu-Konsum: Da die Nachfrage nach den sauren Beeren in den vergangenen Jahren stark angestiegen ist, können südamerikanische Plantagen die hohe Nachfrage teilweise nicht mehr erfüllen. Dies führt zunehmend zu Raubbau an wilden Camu-Camu-Sträuchern, was die in Südamerika ansässige Fauna bedroht.

Einige Tierarten ernähren sich von den Früchten des Camu-Camu-Strauchs und durch den Raubbau verschwinden diese zunehmend. So auch einige Fischarten, die die normalerweise ins Wasser fallenden Beeren als Hauptnahrungsquelle nutzen. Der Schwarze Pacu ist durch den Raubbau an Camu-Camu-Sträuchern in einigen Gegenden bereits verschwunden. Entsprechend sollte auf einen Camu-Camu-Konsum hierzulande möglichst verzichtet werden.

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